Dienstag, 15. April 2014

WIR HABEN DIE NASE VOLL MIT UNS NICHT MEHR


WIR HABEN DIE NASE VOLL MIT UNS NICHT MEHR

Heute blogge ich mal über ein Thema, dass mich sehr bewegt und ein paar Fragen aufwirft.
Seit geraumer Zeit kommen immer mal wieder neue Therapieformen für, oder besser gesagt gegen Autismus auf dem Markt. Obwohl man bis jetzt keine Heilung erzielen kann, wird uns versprochen das man unseren Autismus heilen kann, wenn wir zb. Kristallsteine unter unser Kissen legen oder aber den dritten Löwenzahn von links auf Wiese nummer zwei zu uns nehmen. Manche Methoden erinnern stark an die Wunderheiler, die im Mittelalter mit Planwagen durch die Gegend zogen und ihre Tinkturen in den jeweiligen Dörfern anpriesen. So manch einem ist von so einer Tinktur damals schlecht geworden oder schlimmeres. Man mag wohl meinen, dass so ein Verhalten nur dieser Zeit zugeordnet werden kann und es heute wohl kaum mehr vorkommt. Weit gefehlt, wie ich feststellen musste.
Da möchte man mir doch tatsächlich eine Tinktur verkaufen, die angeblich meinen Autismus auslöschen soll. Das neue Wundermittel dieses Jahr nennt sich MMS und kommt aus einer eher unglaubwürdigen Ecke.
Jetzt bin ich Erwachsen und kann mich gut gegen so einen Unfug wehren, doch was machen die Kinder die das nicht können und Eltern haben die sich an jeden Zweig klammern (rw),  damit sie ihrem Kind von Autismus heilen können. Diese Kinder können sich nicht wehren und bekommen das Zeug sogar als Einlauf verpasst. Ich kann sagen: “Nein, ich will das nicht!” Doch ein Kind, das dazu noch autistisch ist und keine verbale Kommunikation beherrscht, kann das nicht tun und muß solche Prozeduren über sich ergehen lassen. An der Stelle des Kindes wäre ich danach auch sehr friedlich, einfach nur um so etwas nie wieder erfahren zu müssen.
Viele erwachsene Autisten, ebenso wie ich kritisieren die Händler die das Zeug verkaufen und wünschen uns eine solche Therapie / Mißhandlung einfach nicht. Wir möchten das man uns ernst nimmt und daher soll dieser Post von mir auch an alle Eltern autistischer Kinder gerichtet sein. Bitte glaubt solchen Scharlatanen einfach nicht. Last euch bitte nicht einschüchtern. Autismus, und das ist mittlerweile erwiesen, ist eine genetische Variation an der zwischen 400-1000 Genome beteiligt sind und basiert NICHT auf Bakterien, so wie diese Verkäufer einem das weißmachen wollen.
Was mich zu einem weiterem Punkt bringt: jeder Mensch hat das Recht auf Unversehrtheit. Haben wir Autisten dann auch das Recht uns zu wehren und zu sagen, das wir das nicht mit uns machen lassen wollen? Dürfen wir uns nicht äussern zu den jeweiligen Therapien, die uns zugute kommen sollen? Können wir nicht die Grausamkeiten, die hier teilweise laufen auch mal auskotzen und uns mal alles von der Seele schreiben? Ganz ehrlich, ich weine oft wenn ich mal wieder lese, dass solche Leute wieder einen von uns kaputt-therapiert haben – wenn ich mal wieder auf völlig zerstörte Autisten treffe, einfach weil sie sich dagegen nicht wehren konnten.
Sie sagen: sie wissen was gut für uns ist. Wir wüssten das nicht. Sie sagen sie könnten uns heilen, wir wüssten nur nicht das wir wirklich geheilt sein wollen.
Wir wollen es nicht. Nicht so und nicht von ihnen. Sie sagen, dass nur sie wissen wie es uns besser gehen wird und nehmen sogar Fieber gerne mal in Kauf. Sie sagen wir können uns nicht wohl fühlen. ich fühle mich sehr wohl. Sie quälen uns und sagen, dass es nur gut für uns sei. Ich mag nicht gequält werden. Sie sagen wir wüssten nicht was Familien, die Kinder mit Autistmus unter sich hätten durch machen würden. Aber wir sind doch diese Autisten.
All das macht traurig, macht hoffnungslos, gibt uns das Gefühl nichts wert zu sein. Zeigt uns, dass unsere Meinung nichts zählt nicht erwünscht ist. Manchmal sagt man uns das ganz direkt, weil wir doch keine Ahnung von all dem hätten. Wir hätten die Klappe zu halten und das zu nehmen was sie uns als Heilung anbieten.
Manchmal fühle ich mich wie bei den X-Men. Dort in dem Film wollten sie auch immer die Exoten heilen, doch die Exoten wollen nunmal nicht immer geheilt werden. Ich will auch nicht geheilt werden, denn ich bin gut so wie ich bin. Bitte lasst uns unser Sein und unterlasst solche Therapien an uns. Das ist menschenverachtend und mißhandelt die Schwächsten unter uns. Auch wir können und dürfen sauer sein. Und um das zu untermauern und wenigstens etwas unseren Unmut kunt zu tun haben wir einen offenen Brief geschrieben den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wenn ihr der gleichen Meinung seit wäre es schön ein paar unterstüzende Kommentare von euch zu lesen.
WIR HABEN DIE NASE VOLL MIT UNS NICHT MEHR

Dienstag, 31. Dezember 2013

Der Rückblick auf mein autistisches Jahr

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Zu Beginn ein kleiner Hinweis:
Ich bin vor Kurzem mit meinem Blog umgezogen. Deshalb poste ich diesen Artikel sowohl auf dem Alten und auf dem Neuen Blog.
Obwohl der alte Blog abgeschlossen ist. Das wäre dann sozusagen der “offizielle” Identitätsnachweis für meinen neuen Blog ;)
Soviel zum Bürokratischen. Jetzt also mein Jahresrückblick 2013:
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Heute bin ich auch endlich am Ende des Jahres angekommen.

Ich konnte mich nicht wirklich auf den Jahreswechsel einstellen, weil ich ja noch zum CCC-Kongress, dem 30C3 gefahren bin.


Nun sitze ich hier an meinem Schreibtisch und blicke schwermütig zurück, denn das schönste und anstrengenste Jahr das ich je hatte, liegt hinter mir.
Meine Gedanken streifen gerade an den Anfang des Jahres zurück. Ja, auch letztes Jahr um diese Zeit, kam ich gerade vom Congress zurück. Das erste Mal. Dort fing meine Geschichte an, ohne dass ich wusste, was da auf mich zu kommt. Hätte ich es gewusst, ich hätte warscheinlich viel zu viel Angst davor gehabt.

Eigentlich war ich gespannt wie ein Flitzebogen, denn mein geschriebenes Buch stand kurz vor der Veröffentlichung und ich eröffnete extra dafür einen eigenen Blog. Wollte ich doch darüber berichten. Doch dann kam alles irgendwie ganz anders…..

Noch vor meinem ersten Post in diesem Blog, wurde sehr heftig über den Congress debattiert, und diese echt herrliche Veranstaltung auf ein einziges Thema reduziert.

Seit Jahren hatte ich den Congress nun online schon verfolgt und ich liebte die Tage nach dem Congress, wenn nach und nach immer weniger Posts und neue Fotos kamen, wo es immer weniger News darüber zu lesen gab. In meinen Augen schwappte die Bewegung im Netz zu diesem Thema, immer so aus, wie ein Meer, dass seine Wellen an einem Strand sanft ausgleiten lässt. Ich genoss dieses wellenartige Verhalten der User im Netz .

Doch dieses Jahr war alles anders. Durch die erwähnte Diskussion, waren es in dem Jahr des 29C3 keine sanft auslaufenden Wellen, sondern ich fühlte mich wie in einem riesigen Sturm mit meterhohen Wasserfontänen und Orkanböhen die einen von den Füßen riss. Es flachte einfach nicht ab. Auch Stunden, Tage und Wochen nach aufkommen des Orkans nicht. Ich las das Alles mit und mir liefen die Tränen runter. Ich war doch vor Ort dabei und hatte den Orkan um den es jetzt ging, nicht sehen können. Er war einfach nicht da und man hatte den Eindruck, dass jemand eine Windmaschine aufgestellt hat. Genau zu dem Zweck gedacht, einen Orkan herzustellen den man so schnell nicht vergessen sollte.

Meine autistische Welt brachte das ziemlich durcheinander und ich war so aufgebracht, wie seit Jahren nicht mehr. Ich wollte die Wellen zurück haben, die mich normalerweise ruhig ins nächste Jahr tragen. Wollte wieder interressante thematische Fachdiskussionen lesen und wahrnehmen.

Voller Enttäuschung über so viel Aufmerksamkeit auf ein Thema, welches es gar nicht gab, bat ich meinen Freund mir dabei zu helfen, einen öffentlichen Brief zu Verfassen. Dieser sollte meine Sicht auf diesen Congress darstellen.

Dieser kam mehr als gut an …….

Schlussendlich wurde der Brief bis Heute ca. 40.000 mal gelesen. Vielen Dank für diese riesige Leserzahl und die vielen positiven Kommentare und eure Unterstützung.
Heute also sitze ich wieder einmal hier. Genau zur gleichen Zeit, wo ich letztes Jahr diesen Brief verfasst habe und genieße es zu sehen, wie der Congress langsam vor sich hinschwappt und die Wellen, trotz der hochbrisannten Snowden Geschichte, immer ruhiger werden und über die mir gut bekannten Themen diskutiert wird. Ich bin zufrieden. Mehr noch. ich bin glücklich, dass es mir so gut ging, dass ich dieses Jahr wieder dabei sein konnte.
Dieser Brief hat so viel angestoßen, dass das letzte Jahr mir vorkommt, als wäre ich einen Marathon gelaufen, und hätte gesiegt. Ich habe Geschaft, was ich nie für möglich gehalten hätte, denn davor habe ich keine Perspektive mehr für mich gesehen.
Es kam Schlag auf Schlag. Von den vielen Lesern ermutigt, gründete mein Freund und ich den Verein AutiCare e.V. Mein Buch kam aus der Druckerei und ist nun im Handel erhältlich, Ich fuhr 18.000 Killometer quer durch die Bundesrepuplik um so viele andere Autisten wie möglich kennenzulernen. Jede Menge Projekte habe ich mir angeschaut. Im Sommer war meine erste Buchlesung. Einen Tag der offenen Tür haben wir veranstaltet und ich war so super nervös. Gerade einmal drei Wochen darauf kam das erste Symposium, mit auch nur genau diesen drei Wochen Werbezeit davor. Das es trotzdem so gut besucht war, war der reinste Wahnsinn. Vielen dank an Euch, dafür.
Dann ging die Jobwelt noch an den Start. Meine Güte. All das ist mehr wie ich in 10 Jahren erlebt habe.
Und wie gesagt: hätte man mir vorher gesagt, was daraus alles für Gutes entsteht, ich hätte mich wohl nicht getraut. Ich wäre wohl dann zu ängstlich gewesen. Doch so hatte ich gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Und dieses Jahr fuhr ich an den Ort zurück, wo alles begann. Ich stellte dort auch noch eine Art Begleitservice für meine Mitautisten, die sich alleine nicht trauen auf den Congress zu gehen. Denen, die dort waren, gefiel es ebenfalls super gut. Danke auch ganz besonders an die tollen Leute von den Chaospatinnen / Chaospaten. Ihr seid einfach toll, mehr muss man nicht mehr sagen. Und an Honkhase, den Security-Chef des 30C3, für die tolle Kommunkation deine Vermittlung zwischen uns und dem CERT und den Patinnen. *knuddel*
Und ganz klar: an Constanze. Obwohl du dieses Jahr verflucht viel um die Ohren hattest, hast du immer wieder die Zeit gefunden mit uns zu reden und auch zu vermitteln. Sei es per Mail oder persönlich. Das hat uns wahnsinnig gefreut. Danke dafür.
Und natürlich auch ein unendlich großer Dank an all die Anderen, die das ganze Jahr über geholfen haben, sich engagiert haben uns zugesprochen haben, Freunde geworden sind, ins Team gekommen sind und die Alle, mein, und unser Leben spannender gemacht haben.

Fazit:
Das Jahr ist zu Ende und die Wellen, die vor sich hin schwappen werden immer leiser und bevor sie für dieses Jahr verstummen tragen sie mich, ins nächste Jahr.

Sie geben den mentalen Schub um 2014 noch mehr für mich persönlich, und den Autismus allgemein, zu erreichen. Denn ich möchte irgendwann für mich und so viele Andere Autisten wie möglich erreichen, dass ich / wir irgendwann so weit es geht selbständig agieren können und nicht mehr in so vielen Fällen von der Hilfe von anderen Menschen angewiesen sind. Ich möchte beweisen, dass ich, wenn man mir den Raum gibt mir mein Umfeld zu schaffen, ich durchaus in der Lage bin, ein vollkommen selbständiges Leben zu führen.

Hier ist auch noch unser etwas anderer Rückblick auf den 30C3 von dem wir gerade zurückgekehrt sind.

Ich wünsche euch allen einen Guten Rutsch, kommt gut ins neue Jahr und viel Glück für 2014.
Eure
Sam Becker

Sonntag, 1. Dezember 2013

Mein Blog verbloggt

Seit einiger Zeit schon kommt in mir ein komisches Gefühl hoch, wenn ich meinen Blog aufmache und etwas posten möchte. Dann schießen mir meine Gedanken durch den Kopf.
Mag ich meinen Blog eigentlich noch?

Komisch. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Er war ja einfach da. Man macht ihn auf und sieht einen blauen Hintergrund.
Noch vor ein paar Wochen fand ich das völlig ok. Doch seit einigen Tagen empfinde ich das als kalt und gefühllos.
Finde das mein Blog nicht mehr wirklich zu mir passt. Er ist mir zu unpersönlich, irgendwie zu leer.
Ich habe mich auf meinem Blog immer so zu Hause gefühlt. Fühlte mich wohl in dem Texteditor und konnte auch alle Funktionen gut bedienen.
Das einheitliche Bild war immer in Ordnung für mich, aber irgendwas fehlte und ich kam auch nie so wirklich darauf was es war.
Heute, da ich mal Zeit hatte etwas darüber nachzudenken, fiel es mir sofort auf. Mein Blog ist mir viel zu unsympatisch. Nichts habe ich darauf gestellt um meine Person definieren zu können. Prakmatisch halt und kalt.
Dabei wollte ich doch den Lesern zeigen wer ich bin und meine Gedanken mit ihnen teilen. Aber wie können die Leser sich ein gutes Bild von mir machen, wenn ich ihnen keines gebe. Ja, zugegebenermaßen, manchmal brauche ich richtig lange um gerade sowas zu verstehen.

Aber auch die Gegend von dem Netz gefällt mir nicht mehr. Da wo mein Blog jetzt liegt habe ich das Gefühl, dass ich ihn auf ein kleines Dorf gesetzt habe, obwohl ich da nie wieder wohnen wollte.

Darum habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen einfach umzuziehen. Denn wenn einem die Gegend nicht mehr gefällt, dann packt man zusammen und freut sich auf ein neues, hoffentlich schöneres Zuhause. Der Gedanke daran eine neue Domain zu haben fällt mir nicht leicht. Ich denke aber meine Leser werden mich schon finden. Ganz bestimmt.

Jetzt freue ich mich auf neue Eindrücke, Antwortposts und E-mails  wie euch meine neue Heimat und der neue Blog gefällt.
Damit ihr mich auch finden könnt, hier meine neue Adresse im World Wide Web, auf der Seite unseres Vereins (tageshauschaos.auticare.de).
Meine Mail Adresse ist und wird die gleiche bleiben.

Ich hoffe euch dort zu sehen.


Ganz liebe Grüße

Eure Tageshauscaos




Dienstag, 12. November 2013

Mein Herz Pocht

Mein Herz pocht ganz schön schnell. Soeben haben wir unser erstes Großprojekt an den Start gebracht.
Meine Hand hat ganz schön gezittert, als ich das auf den üblichen Kanälen wie FB und Google ankündigen wollte. Der Text war recht schnell geschrieben nur das abschicken fiel mir echt nicht leicht.
Augen zu hieß es da nur für mich.
Ganz fest zukneifen und nicht daran denken was an diesem einen Klick nun alles hängt.
Ohweia. So beschreibt man wohl die Gefühle Angst und Lampenfieber.
Meine Güte.. was tue ich hier?
Ich bin größenwahnisinnig aber ich glaube das zeichnet mich auch aus.
Ich liebe eben das Chaos und vielleicht sind es solche Situationen die mich mein Leben lang schon begleiten.
Aber das Heute ist mit Abstand das Größte was ich je ins Leben gerufen habe. Genau so groß ist aber auch meine Angst, dass wir nun nicht genügend Unterstüzer finden, die uns dabei helfen, das Projekt nach vorne zu treiben.
Ich sitze hier, falte immer mal wieder meine Hände, schau nach oben wo auch immer hin, und murmel: "bitte, bitte liebes internet, lass die Nachricht sich so schnell verbreiten wie es nur geht."
Die Deadline in der wir möglichst viele Unterstüzer brauchen ist echt kurz. Bis zum 26.11.2013.
Hoffentlich schaffen wir das.
Schon im Vorfeld war klar, dass es heftig viel Arbeit wird und so agiere ich bereits seit Wochen an meiner Leistungsgrenze und versuche den unvermeidlichen Overload so lange es geht hinaus zu zögern.
Ich schaffe das, ich komm da durch, mit dem dicken Kopf durch die dickste Wand die da ist!
Mein Vater hat schon immer zu mir gesagt das mein Kopf dicker sei wie jede Wand die er je gesehen hätte. Na hoffentlich kann ich diese Eigenschaft nun endlich für etwas positives einsetzen.
Ich kämpfe .... aber nicht nur für mich, sondern  für so viele von uns und kann nur hoffen das es angenommen wird.
Zum Warten verurteilt!
Ich hasse Warten und noch mehr diese Anspannung die es gerade in mir erzeugt.
Shit happens. Ich hab nichts zu verlieren. Wenn das alles so klappen sollte, haben wir was tolles erreicht. Klappt es nicht, wäre es sehr schade. Aber wir würden dann einfach so weiter machen, nur ein paar Nummern kleiner halt.
Das jetzt ist eine einmalige Chance, nicht nur für mich.


Ich für meinen Teil, mag sie ergreifen. Unser Projekt um das es geht könnt ihr hier nachlesen. 

Unterstüzt uns und verteilt dieses Projekt wo immer ihr könnt.

Liebe Grüße eure

Tageshauscaos

Sam Becker




Sonntag, 27. Oktober 2013

Erstes großes vereinsübergreifendes SHG-Treffen

Am Abend zuvor habe ich noch einen Anruf bekommen von Silke (vom Autismusverband Rhein Wupper e.V.), die mit mir und einem weiterem Verein (AspieDO) diesen Tag sehr gut durchorganisiert und geplant hat. Die Fahrt nach Hagen in ein Freilichtmuseum.

Obwohl Silke schon über viele Jahre mit Autisten zusammenarbeitet, war diese Veranstaltung auch für sie etwas Neues und sie war deswegen auch ein wenig aufgeregt.
Ich war das natürlich auch, so beruhigten wir uns am Telefon gegenseitig. Es wird schon alles gutgehen. ganz bestimmt ;-).
Schlafen konnte ich kaum. "Hoffentlich kommen auch alle pünktlich zu unserem Treffpunkt.", gingen mir die Gedanken durch den Kopf.

Am nächsten Morgen ging alles glatt und wir konnten pünktlich aufbrechen, leider wurde eine Begleiterin die mitfahren sollte krank, so dass wir kurzfristig unseren Reparaturworkshop absagen mussten und mein Freund dann doch mitfuhr. Was so nicht ganz geplant war, aber dadurch erhielt ich mehr Sicherheit.

Wir waren mit unserer Gruppe nicht weit gekommen, als ein Auto vor uns auf der Autobahn einem Kleinlastwagen hinten drauf fuhr. Ich sah nur noch, wie sich das Unfallauto drehte und in unsere Richtung schlidderte.
Doch unserer Fahrer (Pino) hat super gut reagiert, ist ruhig geblieben und hat sofort herunter gebremst.
Wir kamen auf dem Seitenstreifen zum Stehen, noch bevor die letzten Teile vom Unfallauto wieder auf der Fahrbahn landeten.
Pino stieg mit meinem Freund aus, während wir anderen uns hinter die Leitplanke stellten.
Sehr schnell war klar, obwohldas Auto wirklich schlimm aussah, waren die Insassen zum Glück nicht verletzt.
Bei dem Anblick des Autos war es nahezu ein Wunder, dass den Leuten in dem Auto nichts passiert war.

Sichtlich erfreut, dass niemand verletzt wurde, fuhren wir mit einem Zeitverlust von ca. 15 Minuten weiter.
Zuspätkommen hasse ich eigentlich und so wurde ich zusehends immer nervöser und war heil froh als wir endlich am Museum ankamen.

Wie viele Autisten sich wohl zusammen finden würden? Würde unsere Vorbereitung ausgereicht haben. Wobei silke die meiste Vorarbeit geleistet hatte und uns ganz viel arbeit einfach abgenommen hatte.

Dann kamen wir am Eingang an und es hatten sich wirklich viele Autisten auf den Weg gemacht, um beim ersten SHG-Treffen dieser Art dabei zu sein. Sogar welche aus Hanover waren dabei.
Wahnsinn. Vielen Dank, dass ihr die weite Strecke auf euch genommen habt.
Ich war überwältigt und hatte einige Tränen in den Augen.
Nach den Eingangsformalitäten ging es auch schon direkt hinein.
Durch unsere Verspätung hatten wir nicht mehr ganz so viel Zeit um zu einem Treffpunkt zu kommen, an dem die erste Führung anfing.
das Wetter war toll. Weder zu kalt noch zu warm und ständig ließ sich die Sonne blicken. Was für ein toller Tag.
Da das Museum in einem Tal zwischen zwei Bergen erbaut war, hatten wir eine richtig tolle Aussicht.


Ich kam mir manchmal etwas verloren vor.
Aber ich habe mit so vielen Autisten gesprochen. Aber natürlich habe ich nicht mit jedem reden können, so gern ich es auch gewollt hätte. Ich konnte mich oftmals einfach nicht entscheiden, zu wem ich nun hingehen sollte und mit wem ich nun reden wollte.
Es waren so viele, mit denen ich hätte reden wollen, dass ich mir gewünscht habe ich könnte mich vierteilen oder mich schnell mal klonen lassen.
So blieben manche Gespräche leider einfach auf der Strecke. Aber ich habe auch so jede Menge neue, tolle Autisten kennengelernt. Die verpassten Gespräche, die hole ich nach! Versprochen...

Überall sah man nur gute Laune und hörte, wie super die Anderen diesen Ausflug fanden und einige wollten gar nicht mehr weg.
Viele haben uns gebeten so einen Ausflug noch einmal zu machen. Sie wären mit Sicherheit auch alle wieder dabei.
Das hat mich am meisten gefreut. Das war Bestätigung für die Planungsphase und ein tolles Dankeschön an alle, die gekommen waren und die das Event geplant hatten.

Wir gingen auseinander mit dem festen Vorsatz, das muss wiederholt werden. Auf jeden Fall.

Tolles Wetter, geile Leute, geniale Location.
Man war das ein genialer Tag.

Es grüßt euch eure Tageshauscaos,
die dieses Event, als eines der tollsten Museumsbesuche für sich verbuchen kann.

und ein herzliches Dankeschön an alle, die dort vor Ort waren.

Hier noch ein paar Fotos davon:














Montag, 21. Oktober 2013

Nur der Nuhr

Ok, dann meld ich mich auch mal zu Wort.

Normaler weise halte ich mich ja aus sowas echt heraus, doch heute Abend will mir das einfach nicht gelingen. Dafür bin ich wohl zu sauer und auch ziemlich gekränkt.
Was zum Henker, Herr Nuhr, haben sie sich nur dabei gedacht, 800.000 in Deutschland lebenden Autisten so den Abend zu vermiesen.
Ihr Tweet über Twitter und Facebook

9h
FAS: Limburger Bischof eventuell Autist? Ist das nicht Bedingung, um das Zölibat zu überleben?

hat bei vielen Autisten voll ins Schwarze getroffen. Viele von uns würden sich eine feste Beziehung wünschen, schaffen es aber auf Grund ihrer Sozialkompetenzschwierigkeiten nicht, einen geeigneten Partner zu finden.
Ich weiß nicht wie viele Autisten das Zölibat abgelegt haben, oder freiwillig danach leben. Sehr viele dürften es aber nicht sein.

Gerade in letzter Zeit muss der Autismus für alles und jeden als Entschuldigung herhalten.
Da sind wir mal schnell Prügelknabe, Freaks die amoklaufen oder wir werden mit Politikern auf eine stufe gestellt.
Gerade vor ein oder zwei wochen musste sich der Journalist Stefan Niggemeier für seine Entgleisungen in Richtung der Autisten, öffentlich entschuldigen.
Sagen wir mal, er musste nicht, er hat es getan und somit Größe gezeigt.
Das wurde ihm dann auch hoch angerechnet, von den meisten Autisten.
Herr Nuhr, sie hätten jetzt die Gelegenheit es dem Journalisten nach zu tun.
Zumindest würden sie dann etwas Courage zeigen.

Wir versuchen uns gerade etwas Annerkennung zu erkämpfen, was verdammt noch mal nicht leicht ist und dann kommen sie und treten viele Autisten einfach so mit den Füßen.

Dazu regen sich dann noch einige darüber auf, dass wir uns bei Facebook in den Kommentaren nun zur Wehr setzen. Hey das ist unser gutes Recht. Ja, zugegebenermaßen ist man es nicht unbedingt gewöhnt, dass Autisten sich auch mal wehren. Aber genau das ist es, woran wir gerade sehr hart arbeiten.
Eine Stimme zu bekommen die auch endlich mal gehört wird.

Im Moment kann ich nicht viel mehr darüber schreiben, ohne das mir der Kragen restlos platzt. Selten bin ich so wütend auf etwas gewesen. Wir sind keine Massenmörder, keine gefühllose Monster, sind nicht der Fußabtreter der Politik und das letzte was wir noch wollen ist, ein Schimpfwort zu sein. Das waren wir lange genug.

liebe Grüße 




Dienstag, 15. Oktober 2013

Der Berg las

Vor ein paar Tagen habe ich eine Einladung zu einer Lesung bekommen.
Die Einladung habe ich sehr gerne angenommen.
Natürlich war ich total aufgeregt. Das erste mal vor Puplikum aus meinem Buch vorzulesen, fühlte sich irgendwie ganz merkwürdig an.
Ich zitterte bevor ich anfing und hoffte, das würde nicht auffallen.
Meine Unsicherheit legte sich auch auf meine Stimme nieder. Meine Stimmbänder vibrierten und ich dachte nur, "oweia, hoffentlich wird das gleich besser."

Beim Lesen selbst versuchte ich, nur vor mich zu schauen und irgendwie die Besucher auszublenden. Was mir nach einigen nervösen Blicken auch endlich gelang.

Es war eine sehr schöne Veranstaltung.
Trotzdem wurde es sehr anstrengend für mich, da die eingeplanten Pausen durch das Interesse und die zahlreichen Fragen der Besucher verschluckt wurden.
3 Stunden am Stück gelesen, Fragen beantwortet und wieder gelesen.

Zwischendurch musste ich mir etwas Bestätigung zu meiner Beruhigung holen. Dafür fragte ich eine gute Freundin, die mich auch eingeladen hatte ob ich das denn auch wirklich gut machte.
Dann kam mal wieder die Antwort, mit der ich sehr wenig anfangen kann: "Du kannst stolz auf dich sein."
Oh, ja, das habe ich in der letzten Zeit so oft gehört, aber leider weiß ich nicht so recht was damit gemeint ist bzw. weiß ich nicht wie ich damit umgehen muss/kann.

Stolz Ist ein Gefühl.

Doch wie fühlt sich das nur an?
Ist es vielleicht das, was ich hatte kurz vor der Lesung? Also dieses leise hochkriechen von einem unbestimmten Gefühl in der Bauchgegend was einem die Kehle austrocknen lässt und der Bauch sich furchtbar flau anfühlt?
ist das Stolz ?

Oder ist Stolz, wenn man sich unsicher und ängstlich fühlt?
Wenn man seine Hand ansieht und feststellt das sie zittert und man Angst hat, diese offen auf den Tisch zu legen?

Ist das Stolz? Wenn man nach der Veranstaltung fast in einen Overload reinrutscht, weil gerade alle Gefühle zusammen auf einen einströhmen?
Oder ist der Stolz das, was einem sprichwörtlich den Rücken runter läuft?
Denn auch das gefühl hatte ich dabei.

Die Betonung dieses Satzes - du kannst stolz auf dich sein - lässt mich vermuten, dass man sich irgendwo gut bei dem fühlen muss, was man gerade macht. Aber ich habe ein Problem das für mich zu definieren. Was ist gut fühlen?
Oder ist es das Gefühl der Leere, die man nach einer solchen Aktion in sich spührt, weil nichts mehr da ist und man einfach keine weitere Planung in sich hat?

Vielleicht ist Stolz aber auch ein bischen von allem, das könnte es für mich erklären. Stolz, das kribbeln auszuhalten. Stolz das Gefühl am Rücken erdulden zu können. Stolz das Zittern zu ertragen und trotzdem weiter zu lesen.
Stolz sich vor Aufregung die Bauchschmerzen nicht anmerken zu lassen.
Stolz es zu schaffen zu lesen, trotz trockener Kehle und stolz darauf, den Overload am Ende ausgehalten zu haben.
Wenn ich das so für mich definieren würde, dann müsste ich zugeben das ich verdammt stolz auf mich gewesen bin.
Zum Abschluss zeig ich euch, wie nervös ich war.

Eure Tageshauscaos