Sonntag, 13. Januar 2013

Der Alltag kehrt langsam zurück

Puh, das war stressig, aber auch schön.
Nach dem 29c3, der zwar unglaublich schön, aber emotional und nervlich sehr belastend war, kam ja noch mein offener Brief an den CCC. Die Resonanz war, wie ich ja schon geschrieben habe, enorm. Enorm positiv.
Das alles hat mich und meinen Freund in den letzten Wochen sehr wenig schlafen lassen. Jetzt wird es dann doch wieder etwas ruhiger und der Alltag hält langsam wieder Einzug in unser Leben.

Wie sehr und wie schnell, musste ich gerade vor zwei Tagen wieder feststellen, als ich kurz beim Discounter um die Ecke einkaufen war.
Ich stand am Backwarenregal und überlegte, was ich außer ein paar Brötchen noch mitnehmen wollte. Plötzlich stand ein älterer Mann neben mir und nahm mir einfach die Brötchenzange aus der Hand. Übrigens die Einzige, die dort noch funktionsfähig vorhanden ist.
Obwohl ich offensichtlich noch nicht fertig war, nahm mir dieser Mann also einfach die Zange aus der Hand, mit den lapidaren Worten : "Lass dich von mir altem Kerl nicht aufhalten."

Das war für mich doch gleich schon wieder ein Schock, der mich so richtig in die reale Welt zurück riss.
Ihr hättet dem Kerl wahrscheinlich ein paar richtig warme Worte ins Gesicht gedrückt, für so ein unverschämtes Verhalten. Mir ist das leider nicht möglich. Ich war direkt wieder in einen Schockzustand versunken. Konnte mich keinen Zentimeter mehr bewegen.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich wieder bewegen konnte. Es muss auch ein kleines Weilchen gedauert haben, denn als ich wieder zu mir kam, war der Mann weg.

Dieser "Übergriff" hat bei mir so sehr nachgewirkt, dass ich auch nach dem Verlassen des Dicounters völlig verwirrt war. So verwirrt, dass ich die Orientierung verloren habe und in die falsche Richtung nach Hause lief.
Erst nach knapp einem Kilometer Fußweg bemerkte ich, dass hier etwas nicht stimmen konnte.
Ich hätte nach meinem Zeitgefühl schon längst zu Hause sein müssen. Vor allem, da ich ja nur etwa 300 Meter von dem Discounter entfernt wohne. Das Problem war aber, dass mein Kopf noch immer nicht ganz da war. In solchen Situationen nehme ich meine Umgebung oft nur noch wie durch einen Nebel wahr.
Letztlich bemerkte ich natürlich meinen Fehler, drehte um und machte mich auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen erzählte ich meinem Freund von dem Vorfall. Er war stinksauer auf diesen Kerl. Ich selbst verstand zunächst gar nicht warum. Ich war zwar etwas traurig über diesen Vorfall, war mir aber, so wie es vielen Autisten geht, zunächst über meine Gefühle gar nicht richtig im Klaren.

Nachdem ich mir dann in Ruhe ein paar Gedanken über mich und die Situation gemacht habe, ergaben sich für mich mehrere Emotionen. zum einen war ich traurig, dass man mir einfach so diese Zange aus der Hand genommen hat, zum anderen war ich wütend. Wütend, weil dieser Kerl einfach so in meine Privatsphäre eingedrungen ist, ohne mich zu fragen. Und ich war enttäuscht. Enttäuscht, dass scheinbar selbst ältere Menschen (denen man eigentlich eine gewisse Lebensweisheit zugestehen sollte), kein bischen Respekt vor anderen Menschen mehr haben.

Das mag für sich genommen und vor allem für einen "normalen" Menschen nur eine Kleinigkeit sein. Man sollte aber bei seinem eigenen Handeln immer bedenken, dass das Gegenüber vielleicht andere persönliche Bedürfnisse und Grenzen hat, wie man selbst.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Menschen wieder etwas toleranter und respektvoller miteinander umgehen. Das würde viele Probleme unserer heutigen Gesellschaft von heute auf morgen lösen. Und es täte noch nicht einmal jemandem weh.
Im Gegenteil.......

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